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1874 - 1898

Nach mehreren vorausgegangenen Versammlungen wird die Freiwillige Feuerwehr Bürgstadt am 29. März 1874 ins Leben gerufen. Der erste Eintrag ins Protokollbuch lautet:

Unterm heutigen constituierte sich auf dem hiesigen Rathaussaale die freiwillige Feuerwehr in der Zahl von 63 Mitgliedern, welche in folgende Abteilungen gebildet wurden:

a) In den Ausschuß, bestehend aus dem Vorstande, Hauptmann, Adjudant oder Schriftführer, dem Kassier und Requisitenverwalter, sowie den 4 Abteilungsführern.

b) In die Steigerabteilung Nr. I aus 1 Führer und 12 Steiger bestehend, welche hauptsächlich das Besteigen der Dächer in den brennenden Localitäten und das Löschen mit den Spritzenschläuchen zum Zwecke hat.

c) In die Steigerabteilung Nr. II ebenfalls 1 Führer und 12 Steiger, die zum Ausräumen von Möbeln und zur Rettungsmannschaft bestimmt sind.

d) In die Spritzenabteilung Nr. I bestehend aus 1 Führer und 17 Pompiers* welche die große Spritze zu bedienen haben.

e) In die Spritzenabteilung Nr. II bestehend aus 1 Führer und 12 Pompiers als Bedienung für die kleine Spritze. ..."

In den Ausschuß werden gewählt:

Vorstand: Bürgermeister Kilian Elbert
Hauptmann: Johann Schuck
Adjudant: Wilhelm Benz
Kassier: Josef Elbert


* Spritzenmannschaft

   
Gründungsmitglieder
oben v.l.n.r.: Friedrich Maier, Philipp Hench, Heinrich Ruf, Jakob Bretz, Julius Meisenzahl
unten v.l.n.r.: Franz Kling, Josef Götz, Lukas Schirmer, Georg Reichert, Johann Meisenzahl

Der erste Einsatz

Kaum ist die Freiwillige Feuerwehr gegründet, so muß sie sich auch schon bewähren. Am 19. April 1874 brennt die Brümersmühle. Das Hauptgebäude wird ein Opfer der Flammen, jedoch können Stallungen und Nebengebäude gerettet werden. Hierbei bekommt die Feuerwehr Unterstützung durch die Miltenberger Feuerwehr. Es werden auch zwei Männer verletzt.

Ihren ersten öffentlichen Auftritt hat die Wehr am 25. Mai 1874. Zusammen mit den Wehren aus Miltenberg, Breitendiel, Kleinheubach, Eichenbühl und Mönchberg zeigt man vor dem Gasthaus zum Stern "unter größtem Beifall" was man bis dorthin gelernt hat. Ab diesem Tage gehört die Feuerwehr auch dem Miltenberger Bezirksfeuerwehrverband an.

Der zweite Einsatz läßt nicht lange auf sich warten. Am 6. Juli 1874 brennt die Scheune von Nikolaus Schirmer. Trotz nachbarlicher Löschhilfe aus Miltenberg kann die Scheune nicht mehr gerettet werden. Aber man schafft es, das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Als Brandursache werden spielende Kinder vermutet.

Dann folgt eine ruhigere Zeit. Die Feuerwehr kann sich auf Übungen und Ausbildungen konzentrieren. Oft trifft man sich dafür schon morgens um fünf Uhr. Und die Männer müssen dazu noch weite Strecken zurücklegen, z. B. nach Eichenbühl, Fechenbach, Weilbach (Das Auto wird erst zehn Jahre später erfunden).

Am 5. Juni 1876 wird Jakob Bretz zum Kommandant gewählt. Philipp Reichert wird Adjudant und Schriftführer. Ebenfalls im Jahre 1876 erhält die gesamte Wehr gegen Unterschrift Jacken, Hosen, Helme, Gurte und Leinen.

Aber auch die Geselligkeit kommt nicht zu kurz. Die beiden Bälle zum Jahreswechsel 1874/75 und  am 1. Januar 1878 werden ein voller Erfolg. Die Bedingungen für eine Teilnahme sind streng geregelt:

1. Mußte sich jedes Mitglied, das den Ball besuchte, einen Betrag von 30 Pf. zahlen, welche bei der abstimmung des Balles, schon an den Commandand und zwar für die Musik bezahlt werden mußten.

2. durfte jedes Mitglied hiesige, sowie fremde Frauenzimmer, aber keine Herren einführen.

3. Mußte jedes dabei betheiligte Mitglied, den Anordnungen des Ausschußes, sich unterziehen, widrigenfalls derselbe mit sofortigem Ausschluß bestraft wurde."

In den ersten Jahren verzeichnet das Protokollbuch ein ständiges Kommen und Gehen. Bis 1877 treten 17 Kameraden aus der Wehr aus. Demgegenüber stehen 22 Neueintritte. Vier Sterbefälle sind zu beklagen, davon zwei durch einen Unfall im Steinbruch. Die Zahl der aktiven Mitglieder kann über lange Jahre auf etwa sechzig gehalten werden.

Hilfe aus der Nachbargemeinde

Am 30. März 1878 brennt die Scheune von Karl Eyrich. Das Feuer greift schnell auf die angrenzenden Gebäude über. Drei Scheunen brennen vollständig ab, eine teilweise und auch ein Teil eines Wohnhauses wird ein Opfer der Flammen. Nur mit großer Mühe und der Löschhilfe aus Miltenberg kann dieses Großfeuer gelöscht werden. Der Steiger Josef Balles ist so der Hitze ausgesetzt, daß ihm der Helm auf dem Kopf schmilzt und er ihn nicht mehr zum Dienst tragen kann. Balles trägt bei dem Brand ein Augenleiden davon und erhält später aus der Feuerwehrunterstützungskasse 72 RM ausgezahlt.

Wie heute noch, ist man auf gegenseitige Hilfe aus den Nachbargemeinden angewiesen. Bei Bränden in Bürgstadt ist die Miltenberger Feuerwehr immer gleich zur Stelle. Und umgekehrt gibt es kein Zögern, wenn in Miltenberg der rote Hahn auf den Dächern sitzt. So zum Beispiel am 26. Dezember 1878 und am 7. Januar 1883. Durch einen Blitzschlag gerät am 19. September 1879 die Scheune von Friedrich Keller in Brand. Das Feuer breitet sich rasend schnell aus. Fünf Scheunen mit Stallgebäuden, darunter auch die des Bürgermeisters Lorenz Ühlein, brennen vollständig ab. Im Einsatz sind auch die Wehren aus Eichenbühl und Miltenberg.


Handbetriebene Druckspritze um 1910

Im Jahre 1882 wird ein Sterbekassen-Verein für freiwillige Feuerwehren im Bezirk Miltenberg gegründet. Von der Bürgstadter Feuerwehr treten 38 Mitglieder bei. Zweck dieses Vereins ist es, bei einem Sterbefall eines Mitgliedes den Hinterbliebenen für Beerdigung und sonstige Ausgaben eine Unterstützung zu zahlen.

Wiederum ein Blitzschlag ist die Ursache eines Brandes am 15. Juni 1883. In der Krummgasse brennen drei Scheunen vollständig ab. Die Wohngebäude können geschützt werden.

Brennende Scheunen gibt es in dieser Zeit häufig zu löschen. Ursache ist zum einen die Holzbauweise, zum anderen stehen die Scheunen im Ortsbereich so dicht beieinander, daß sich das Feuer schnell ausbreiten kann. Trockenes Stroh, Heu oder Holz liefern zusätzliches Brennmaterial. In den Jahren 1884 bis 1887 muß die Feuerwehr fünfmal zu Scheunenbränden in Bürgstadt und Miltenberg ausrücken.

Ein Festgottesdienst mit Kirchenparade ist der Auftakt zur Feier des 10 jährigen Bestehens der Feuerwehr Bürgstadt am 2. Juni 1884.

1886 löst Philipp Reichert Jakob Bretz als Kommandant ab. Sein Stellvertreter (Adjudant) wird Alois Hench. Doch nicht nur bei Bränden und Übungen tritt die Feuerwehr in der Öffentlichkeit auf. Am 21. Juni 1886 nimmt man in einem Trauergottesdienst Abschied vom verstorbenen König Ludwig von Bayern.

Die ersten Passiven

Um die Feuerwehr auch finanziell zu unterstützen, entschließt man sich 1888, passive Mitglieder aufzunehmen. Siebzehn Personen treten für einen Jahresbeitrag von einer Mark der Wehr bei.

Am 3. Mai 1891 werden die Feuerwehrmänner zu einem Brand nach Freudenberg gerufen. Dort brennen ein Kaufhaus, die jüdische Synagoge und vier Nebengebäude vollständig nieder.

Bei der Generalversammlung 1892 wird Alois Hench neuer Kommandant. Zum Stellvertreter wird Karl Münch gewählt.

Von 1892 bis 1898 rückt die Feuerwehr zu mehreren Bränden in Bürgstadt, Miltenberg und Freudenberg aus. Am 1. Oktober 1898 brennt die Öl- und Schneidmühle von Edmund Münch. Nur mit größter Mühe kann die Feuerwehr einen Teil der Nebengebäude retten. Bei diesem Einsatz verletzt sich der Steiger Christoph Schwab so, daß er mehrere Wochen arbeitsunfähig ist.