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1899 - 1924

25 Jahre waren nun seit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr vergangen. Das feiert man am 2. Juli 1899. Bei einem Kommersabend hält der Bezirksvertreter Schwesinger eine feierliche Rede und überrascht die Jubilare mit einem Geschenke, dem bekannten Extincteur (Feuerlöscher), der mit einem vorzüglichen Stoffe (wahrscheinlich Schnaps) gefüllt war." Den Abschluß des Festes bildet ein großes Leberknödelessen, das von den beiden Metzgern Karl Balles und Peter Köhler gestiftet wird. In diesem Jahr werden noch 10 Feuerwehrleute für ihre 25jährige Treue mit dem königlichen Ehrenzeichen ausgezeichnet.

1901 heißt der neue Kommandant Josef Kling. Josef Hefner wird sein Stellvertreter.

Am 12. Juni 1901 steht die Brümersmühle erneut in Flammen. Die Mahlmühle und der Dachstuhl des Wohnhauses brennen vollständig ab. Nur die Schneidmühle kann gerettet werden.

Von 1902 bis 1906 kommt es zu mehreren Bränden. Sechs Scheunen und ein Wohnhaus fallen den Flammen zum Opfer.

Dann folgt eine ruhige Zeit. Man trifft sich bei Übungen und Versammlungen. Und jedes Jahr am 12. März feiert die Feuerwehr den Geburtstag seiner kgl. Hoheit dem Prinzregent Luitpold mit einem Festgottesdienst, Frühschoppen und mehreren Reden.

Die Wasserleitung

1911 muß man gleich zu drei Waldbränden ausrücken. Am 22. April verbrennen 25 bis 30 Ster Brennholz und 600 - 700 Wellen (dünne Äste) und am 8. Juni zündet ein vielfach Vorbestrafter den Wald im Unterhauksberg an. Der Brandstifter sitzt später fünf Jahre Zuchthaus ab.

In Großheubach vernichtet ein Brand am 7. August 1911 ca. 150 Tagwerk Wald. Dabei sind 15 Feuerwehren, darunter auch die aus Bürgstadt, im Einsatz. Sogar ein Jägerbatallion aus Aschaffenburg kommt zu Hilfe, braucht aber nicht mehr einzugreifen.

Der Bau der Wasserleitung bringt 1911 große Erleichterungen für die Bevölkerung. Auch für die Feuerwehr ändert sich einiges. Bis dahin muß man das Wasser umständlich mit Eimerketten zum Brandherd bringen. Saug- und Druckspritzen sorgen dann für den richtigen Druck am Strahlrohr. Jetzt stehen Hydranten zur Verfügung. Die Schlauchleitungen werden direkt am Hydrant angeschlossen. Der in der Leitung vorhandene Wasserdruck reicht für die damaligen Verhältnisse vollkommen aus. Davon können sich die Bürgstadter am 1. Oktober 1911 bei der Einweihung der Wasserleitung überzeugen. Die Feuerwehr stellt bei einer Übung ihr Können unter Beweis.

Bereits 1912 werden zwei neue Hydrantenwagen in Dienst gestellt. Die Saug- und Druckspritzen kommen allmählich zur Ruhe.

Die neue Wasserleitung bewährt sich am 28. August 1914. Im Anwesen Ühlein brennt eine Scheune. Der Brand kann aber auf seinen Herd beschränkt werden.

Erster Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg bringt fast das gesamte Vereinsleben zum Erliegen. Schon in den ersten Kriegstagen werden 28 Kameraden einberufen. Um den Brandschutz sicherzustellen, werden bereits ausgeschiedene Feuerwehrmänner wieder aktiviert. In diesen schweren Zeiten werden die Bürgstadter aber nicht von Bränden verschont. Am 1. August 1916 brennt die Scheune von Richard Walter. Nur das rasche Eingreifen der Feuerwehr und der Einwohnerschaft verhindert ein Übergreifen der Flammen auf das benachbarte Anwesen von Eugen Hofmann. Hofmann, der im Krieg ist, bedankt sich später im Miltenberger Tagblatt für die Rettung seines Anwesens.

Die Einträge ins Protokollbuch sind zu der Zeit spärlich. Man hat andere Sorgen. Zu erwähnen wäre noch ein Brand am 11. Juli 1917. Ein junger Bursche, der sich Kartoffeln braten will, steckt eine Scheune in Brand.

Der Krieg fordert ein Todesopfer unter den Feuerwehrmännern. Fünf weitere sterben an den Folgen des Krieges, ein weiterer wird vermißt.

Besonders betroffen sind die Kameraden Eugen Hofmann und Richard Walter. Während sie sich im Krieg befinden, brennen in der Nacht vom 30. September auf 1. Oktober 1918 ihre beiden Scheunen nieder.

Die Feuerwehr wählt 1919 Josef Hefner zum Kommandant und Vorstand. In den Jahren 1920 und 1921 kommt es zu mehreren Bränden in Bürgstadt, bei denen 1 Stall, 3 Scheunen und ein Dachstuhl ein Raub der Flammen werden. Die Eisenbahn ist auch immer wieder Ursache von Wald- und Flächenbränden entlang der Bahnlinie. Am 26. Juli 1921 brennt es gleich zweimal. Das Fürstlich-Löwensteinische Revieramt Freudenberg und das Bürgermeisteramt bedanken sich später in mehreren Schreiben an die Gemeindeverwaltung Bürgstadt für die "rasche und tatkräftige Unterstützung" der Feuerwehr.

Einen Hinweis auf die wirtschaftliche Notlage der Bevölkerung gibt uns das Protokollbuch am 12. Oktober 1923. Nach dem Brand zweier Scheunen heißt es dort:

...Die beiden Abgebrannten sind durch die große Geldentwertung schlecht versichert, daher ist der Fall doppelt schwer."

Weiter heißt es in einem Bericht über eine Ausschußsitzung:

...Kasse war keine zu revidieren, da ein paar Geldscheine vorhanden waren, die ja schon längst nicht mehr galten. Mithin war eine Armut in unserer Kasse eingetreten..."

Trotz wirtschaftlicher Not stiftet Jakob Graßmann der Feuerwehr einen Hektoliter Apfelwein für den Einsatz am 12.10. 1923, "weil er so glücklich verschont geblieben war."   


So sah die Brandbekämpfung vor 1911 aus. Das Bild wurde bei der historischen Übung 1974 aufgenommen

In der Generalversammlung am 7. März 1924 wird Eugen Hofmann zum Adjudant gewählt. Hofmann stirbt kaum 2 Monate später.