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1925 - 1949

Mit einjähriger Verspätung feiert man 1925 das fünfzigjährige Bestehen der Bürgstadter Wehr. Das Fest ist bestimmt von mehreren Festzügen, Musikdarbietungen und feierlichen Reden.

Am 30. Dezember 1925 wird die Feuerwehr alarmiert. Die gemeindliche Regiestallung steht in Flammen. Zusammen mit der Miltenberger Wehr, die mit 50 Mann vertreten ist, kann ein Übergreifen auf das benachbarte Elektrizitätswerk verhindert werden.

1926 beschafft die Gemeinde fünf neue Feuerhörner. Diese kommen bei einer unangemeldeten Nachtübung erstmals zum Einsatz.

Ruhigere Jahre

Das Protokollbuch gibt uns auch Anlaß zum Schmunzeln. So heißt es in einem Bericht über einen Brand in Miltenberg:

Heute abend kurz vor 9 Uhr ertönte plötzlich Feueralarm nachdem das Firmament eine ganz fürchterlich hellrote Farbe zeigte. In kaum einigen Minuten stand fast die ganze Wehr vor dem Feuerhause um weiteren Befehl abzuwarten. Auf den Hilferuf aus Miltenberg rückte die hiesige Wehr sofort nach der Brandstelle nach dort ab. Die Bespannung übernahm Gastwirt Kil. Schwind. Es stand das Sägewerk des Paul Weber in Miltenberg in hellen Flammen. Die Wehr brauchte nicht mehr in Tätigkeit zu treten da das Werk alleinstehend und somit keine Gefahr für Nachbargebäude bestand. Auch die freiw. Feuerwehr Miltenberg war ebenfalls nicht direkt in Tätigkeit getreten, da kein Wasser vorhanden war. Nach einigen Dankesworten des Bez. Br. Insp. Schwesinger sowie des Herrn Bürgermeisters Dr. Schmitt wurde die Wehr entlastet. Bei der Rückfahrt die sich auch wie die Hinfahrt in rasendem Tempo vollzog, ergingen über uns schwere, trübe Wolken, wodurch vorerwähnter Wassermangel behoben wurde, denn es regnete in Strömen. Am Feuerhause angelangt wurden wir von unserem eifrigen und rührigen Kommandanten herzl. empfangen, der durch seinen großen Übereifer nicht mitkommen konnte, nachdem er im Feuerhause noch etwas schnell zu erledigen hatte und der Lenker des Fuhrwerks währenddessen in schleunigstem Tempo davonfuhr. Nachdem die Geräte wieder in Ordnung gebracht waren, und die Zeit ziemlich fortgeschritten, es war 1/2 11 Uhr, begab sich jeder nach Hause um dort eine trockene und warme Unterkunft zu finden."

In der Generalversammlung 1929 gibt Kommandant Hefner bekannt:

...daß unser langjähriger Signalist Ludwig Brand gebeten habe, seine Stelle als solcher einem anderen Kameraden zu übertragen, da es ihm durch Verlust einiger Zähne weiterhin unmöglich ist, Signale zu geben."


Fahrbare Leiter

 
Hydrantenwagen im Einsatz

Die Jahre 1929 bis 1933 verlaufen aus Feuerwehrsicht sehr ruhig. Für seine langjährige Tätigkeit als Kommandant erhält Josef Hefner 1933 die Würde des Ehrenkommandanten und wird für 40jährige Mitgliedschaft geehrt. Am 26. April 1934 muß man zu einem Waldbrand an die Gemarkungsgrenze zu Freudenberg ausrücken.

Die Feuerwehr unter Hitler

Neue Zeiten brechen an. Ganz Deutschland folgt dem Hakenkreuz. Doch im Protokollbuch ist wenig davon zu spüren. Man begnügt sich mit dem vorgeschriebenen Gruß an den Führer. Und das auch nur die ersten paar Jahre. Der damals überall übliche militärische Drill macht auch vor den Feuerwehren nicht halt. Bei den Übungen wird großer Wert auf das Exerzieren gelegt und schon 1934 wird als Übungsszenario ein Fliegerangriff auf das Schulhaus angenommen.

Am 16. Juni 1935 tritt Josef Hefner aus familiären Gründen und wegen seines Alters als Kommandant zurück. Die Wehr ernennt während einer Übung Gustav Kirchgessner zu seinem Nachfolger. Mit Musikdarbietungen, Ansprachen und sogar einigen Liedvorträgen einer Abteilung der Berufsfeuerwehr Frankfurt verabschiedet man den langjährigen Kommandant Hefner.

Die Anzahl der Übungen erhöht sich von jährlich sechs auf zwanzig im Jahre 1943. Die Generalversammlung wird zum Generalappell und 1938 wird die Feuerwehr der Polizei unterstellt und heißt nunmehr Feuerlöschpolizei.

Bei einer Verdunkelungs- und Fliegeralarmübung verkündet man die Aufgabe der Feuerlöschpolizei:

Die Tätigkeit der Feuerlöschpolizei bei Fliegerangriffen besteht darin, bei etwa vorkommenden Bombenabwürfen, seien es Brand- oder Gasbomben, sofort helfend einzugreifen und die Ordnung unter der Zivilbevölkerung aufrecht zu erhalten."

Auch die Hauptübung 1938 steht ganz im Zeichen eines bevorstehenden Krieges. Nach dem Exerzieren und dem Abschreiten der Front ist die Turnhalle das Übungsobjekt. Angenommen wird auch hier wieder ein Brandbombenabwurf durch einen feindlichen Flieger.

Es gibt aber auch Positives zu berichten. Einsätze sind in dieser Zeit keine verzeichnet und einen Ausscheidungswettkampf im Landkreis Miltenberg schließen die Bürgstadter Wehrmänner als Beste ab. Im Vergleich zwischen den Landkreisen Miltenberg, Obernburg und Marktheidenfeld werden sie Zweiter. Der Wehr gehören zu diesem Zeitpunkt 53 Aktive an.

Der Krieg fordert Opfer

Am 1. September 1939 beginnt der Zweite Weltkrieg. Von unserer Wehr werden gleich zu Beginn 16 Kameraden eingezogen, darunter auch der stellvertretende Kommandant Karl Breunig. Gustav Kirchgessner führt das Protokollbuch weiter.

Laut Verfügung muß in jeder Gemeinde eine Ersatzfeuerwehr aufgestellt werden. In Bürgstadt melden sich 45 Freiwillige, darunter auch einige ehemalige Feuerwehrleute.

Anfang 1940 wird der Kommandant Gustav Kirchgessner zum Kriegsdienst eingezogen. Die Führung übernimmt der inzwischen wieder heimgekehrte Adjudant Karl Breunig. Die Motorisierung hält auch in unserer Wehr Einzug.

 
So könnte die Motorspritze von 1940 ausgesehen haben. Leider ist das Original nicht mehr erhalten.

Am 9. Oktober 1940 übergibt der damalige Landrat Rüttiger die neue Motorspritze. Jetzt konnte man dem Feuer anders zu Leibe rücken als bisher.

Der Krieg fordert das erste Opfer. Am 23. Oktober 1941 fällt Fridolin Gall in Rußland. Drei Kameraden sollten ihm noch folgen. Drei weitere sterben später an den Folgen des Krieges. Am 6. Februar 1942 brennen zwei Scheunen nieder. Angrenzende Wohngebäude und Scheunen können gerettet werden.

Die Einträge ins Protokollbuch werden mit Fortschreiten des Krieges immer spärlicher. Bürgstadt hat Glück und wird von größeren Luftangriffen verschont. Aber die Stimmung fällt zusehends. Ende 1944 schreibt Karl Breunig in das Protokollbuch:

"Die Berichte von den Kriegsschauplätzen lauten gegen Ende des Jahres 1944 für uns sehr ungünstig. Man sieht schwarz. Wenn für unser Volk noch alles gut gehen soll, müssen übernatürliche Wunder geschehen. Hoffentlich sind wir nicht betrogen worden. Hoffen wir das Beste."

Drei Scheunen im Streckfuß fallen am 26. Januar 1945 den Flammen zum Opfer. In den letzten Kriegstagen beschießt ein "deutsches Naziflugzeug" die Gemeinde mit Brandmunition. In Zusammenarbeit mit der Zivilbevölkerung und den Amerikanern kann die Feuerwehr den Brand auf vier Scheunen begrenzen.

Das größte Feuer ihrer Geschichte muß die Feuerwehr Bürgstadt am 12. Mai 1945 löschen. In der Mittagsstunde kippt ein amerikanischer Tanklastzug in der Rathauskurve um. Etwa tausend Liter Benzin laufen in die Maingasse und entzünden sich sofort. Ein Wohnhaus und sechs Scheunen verbrennen zu Schutt und Asche. Augenzeugen berichten später, daß das Benzin noch auf dem Main gebrannt hat. Alle diese Berichte zeigen aber auch, daß die Einsatzbereitschaft der Wehr trotz der Kriegsereignisse nicht gelitten hat.


Die Feuerwehr beim Verlegen der Lanninger Rohre", aufgenommen beim Jubiläum 1950.

Die Nachkriegsjahre

Endlich ist der Krieg vorbei. Das Leben normalisiert sich langsam wieder. Man reduziert die Anzahl der Übungen wieder auf sechs pro Jahr. Auch ist jegliches Exerzieren von der amerikanischen Besatzungsbehörde verboten. In den Jahren nach dem Krieg kann sich die Wehr auf Übungen und Ausbildungen konzentrieren. Auch die Geselligkeit kommt nicht zu kurz. Das zeigen Berichte von Tanzveranstaltungen 1947 und 1949.

Der ehemalige Kommandant Gustav Kirchgessner kehrt 1949 aus der Kriegsgefangenschaft zurück und übernimmt das Amt des Schriftführers.

Ebenfalls im Jahr 1949 erhält die Wehr einen Anhänger, bestückt mit sogenannten Lanninger Rohren". Sie dienen zur Wasserförderung über längere Strecken. Am 10. April werden sie erstmals bei einer Übung eingesetzt.